Montag, 17. September 2012

Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche "Alban Elfed" oder Mabon

21./22. September (nördliche Hemisphäre)
21./22. März (südliche Hemisphäre)
Tag und Nacht sind gleich lang... die Dunkelheit ist auf dem Vormarsch, das Licht zieht sich nun langsam zurück. 
Die Energie des Erntebeginns und Erntekreislaufes, die mit Lughnasadh begann, findet ihre Erfüllung zur Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche. Es ist also eine Zeit der Erfüllung und Zielerreichung. Schauen wir zurück auf das, was wir erreicht haben und die Erfahrung unseres Lebens. Lassen wir alle Sorgen los und erfreuen uns der Früchte unseres Lebens - egal in welchem Alter wir gerade sind! 
Für unsere Ahnen war diese Zeit der Höhepunkt ihrer Mühen und Arbeiten des Jahres. Sie holten die Feldfrüchte ein und wappneten sich für den Winter. Überall wurde das Schneiden der allerletzten Korngarbe mit großer Zeremonie begangen. Die letzte Korngarbe gilt als das Kind der Beltane Königin und ihres Gefährten des Frühjahres.


Man sagte, dass in der letzten Ähre inmitten eines stoppeligen Feldes der Geist des Korns seine Zuflucht findet. Daher schnitt man sie auch nicht leichtfertig ab, sondern nur in einem ehrenden, zeremoniellen Rahmen.


Wenn wir den Kreis des Jahres leben möchten, so können wir nun diese Zeit des Dankes, des Nachdenkens, des langsamen Nach-innen-wendens und des Ehrens der Natur feiern.
Wer dazu kein Ritual oder eine Zeremonie mit anderen planen möchte, kann auch allein zuhause oder mit dem Partner ganz achtsam und wunderbar sein kleines Ritual gestalten. Hier eignen sich besonders Körner, Nüsse, Samen, Früchte oder Rosinen und auch Blätter, um ein Mandala oder Naturbild zu legen. Dies dient nicht nur zu einer wunderschönen, bunten Dekoration, sondern kann eine Meditation anregen und den Geist auf den Gaben der Natur ruhen lassen. Ehre den Geist dieser Zeit, stimme dich ein und danke für alles, wofür du Dank empfindest.

Vorbereitungen für das Ritual
Es ist schön, wenn selbstgemachte Kekse, Marmelade, frisch gebackenes Brot oder Früchtekuchen und ähnliche selbst zubereitete Lebensmittel Teil des Rituales werden - so kann jeder Teilnehmer das beitragen, was er oder sie kann. Meistens entsteht eine bunte und reich gedeckte Tafel der Fülle.
Alles Folgende kann allein oder innerhalb einer Gruppe zelebriert werden. In der Gruppe entsteht hierdurch ein reger Austausch und ein tieferes Kennenlernen der anderen Menschen. So wird das Miteinander getragen und Geborgenheit entsteht.

Finde deine Symbole
Meditiere in den kommenden 3 Tagen über deine ganz eigenen Symbole, die Gegenstände, die die Ernte deines Lebens darstellen. 
Für die Erde und den Norden etwas, das dir Unterstützung und/oder Trost gegeben hat, deinen Körper pflegte und dein materielles Leben erblühen ließ.
Für das Wasser und den Westen etwas, das deinem Herzen Unterstützung gegeben hat.
Für die Luft und den Osten etwas, das für deine Ideen, deine Gedanken, deine Träume und Visionen steht, die dich am meisten inspiriert und interessiert haben. Vielleicht hast du selbst ein Konzept für etwas erstellt oder planst es und kannst dies symbolisieren.
Für das Feuer und den Süden etwas, das deine Leidenschaften stark genährt hat. Ein kreatives Projekt, ein Wunsch, dein Lebenspartner.
Du benötigst außerdem einen Korb, in dem all diese Symbole Platz finden können (gern auch einen selbst geflochtenen), eine Kerze und dein Tagebuch (wenn vorhanden).
Du kannst auch zusätzlich in alle Himmelsrichtungen eine Kerze stellen.

Das Ritual

Beginne wie zu Lughnasadh mit einer friedvollen Einstimmung, damit sich ein jeder öffnen und den anderen anvertrauen kann.

Halte einen Moment inne, lasse alle Alltagssorgen und Gedanken zurück und entspanne dich.
Fühle die Erde unter dir und den Himmel über dir, konzentriere dich auf deine Mitte.
Ziehe einen energetischen Kreis um dich und den Ort deiner Feier.
Beginne im Westen und bewege dich im Sonnenlauf 3 Mal um den Platz. Stelle dir vor, wie das Licht durch deine Fußsohlen und die Handflächen hineingelenkt wird, bei jedem einzelnen Schritt. So schaffst du einen lichten, heiligen Ort für dich.
Vervollständige den Kreis und bleibe dort im Westen stehen, wende dein Gesicht dem Inneren des Kreises zu.
Bitte den Geist des Ortes um Segen, Führung und Inspiration für diese Zeremonie.
Begrüße die 4 Himmelsrichtungen, Mutter Erde und Vater Sonne in deinen, aus dem Herzen kommenden Worten.
Nimm dir ein paar Minuten in Stille Zeit, um über den Frieden zu meditieren und in dir selbst Frieden zu fühlen.



Ob du nun einen Gott, die große Göttin, den Großen Geist oder die Natur verehren oder anrufen magst - stimme dich innerlich darauf ein.
Wenn du magst, kannst du ein druidisches Gebet für diese Zeremonie sprechen:

"Gewähre uns (oh Großes Geheimnis)
deinen Schutz
und im Schutz Stärke
und in der Stärke Verstehen
und im Verstehen Wissen
und im Wissen das Wissen um Gerechtigkeit
und im Wissen um Gerechtigkeit die Liebe zu dieser
und in der Liebe zu dieser, die Liebe zu allem Lebenden
und in der Liebe zu allem Lebenden die Liebe zum Großen Geheimnis und allem Guten."

Wenn ihr eine Gruppe seid, so chantet stehend in einem Kreis mehrere tiefe, volltönende AWEN*, die in jedem selbst entstehen und daher nicht gleichzeitig ertönen müssen. Irgendwann werdet ihr ganz organisch leiser werden.



* "AWEN" ist der Ruf nach und die Bitte um Inspiration, die in den Körper kommen und diesen erfüllen möge, um voller Kraft seinen ureigenen Weg zu gehen und die richtigen Schritte zur rechten Zeit erkennen und gehen zu können.


"So wie die Erde ihre Ernte trägt, so trägt auch mein Leben Früchte."
Meditiere über die Ernte deines Lebens
Wenn du bereit bist, beginne mit dem Gegenstand oder deinem Symbol für den Norden und die Erde. Betrachte diesen oder hebe ihn hoch, meditiere über ihn, spüre ihn.
Innerhalb einer Gruppe kann danach auch laut ausgesprochen werden, was immer man dazu teilen möchte. Dies ist ein sehr verbindender und öffnender Akt, der Geborgenheit und Verständnis schafft - innerhalb der kleinen Gruppe und letztlich innerhalb der Welt :-)
Fahre in gleicher Weise mit dem Gegenstand des Südens fort.
Des Westens.
Des Ostens.

Lege all deine symbolischen Gegenstände in deinen Korb und bedanke dich dafür.
In deiner Weise!
Bedanke dich vielleicht für alles, was deine körperliche Existenz unterstützte und erhalten hat, für alles, was deine Leidenschaften nährte und deine Wünsche erweckte, für all die Menschen, die dein Herz berührt haben und dein Leben bereichern, für alles, was deinen Geist inspiriert und stimuliert hat.
In einer Gruppe kommt nun einer nach dem anderen an die Reihe und alle schenken jedem Einzelnen volle Aufmerksamkeit und Teilhabe.

Ein jeder darf um BALANCE in seinem Leben bitten oder für diese danken. Heute ist der Tag und die Nacht gleich lang und in absoluter Balance. Dieses Lebensgefühl wird heute ganz natürlich getragen.

Wenn du magst, sage in deinen Worten, dass du den 4 Elementen und dem Geist des immerwährenden Wandels dankst. Dem Geist allen Lebens, das wächst, stirbt und wiedergeboren wird.
Denn von deiner Geburt bis zu deinem Tode sind all deine Tage vom Geist des Wandels erfüllt!
Oder bitte um das Vertrauen darin, wenn du es gerade nicht in dir spüren kannst.

Meditiere noch einen Moment über dein Vertrauen ins Leben und wie reich und bunt es bereits ist, wie wunderbar deine Ernte ist, wieviel Fülle dein Leben innehat. 

Stelle dann einen Teller mit Essen und Gaben zur Ehrerbietung an die Ahnen hinaus oder auf einen freien Platz am Tisch, wenn ihr drinnen feiert. Es ist eine gute Zeit, sich seiner Ahnen zu erinnern und sie zu diesem fröhlichen Dankesfest einzuladen. Du kannst auch ein Tellerchen mit Gaben für die guten Geister auf die Türschwelle oder das Fensterbrett stellen und sie um eine reiche Ernte und ein erfülltes Leben im kommenden Jahr bitten.

Wenn du soweit bist, danke dem Gott des Ortes und den Himmelsrichtungen und schließe das Tor zur Anderswelt wieder, indem du den Kreis 3x in die entgegengesetzte Richtung abgehst.
Damit kann die Zeremonie in dieser Welt erst richtig beginnen: tanzend, singend, voller Freude und Dankbarkeit feiernd. Und vor allem: essend! Lasst es euch all die reichen Gaben der Erde schmecken!

Innerhalb der Zeremonie können selbstverständlich auch Kräuter, die gerade geerntet wurden oder die du räuchern magst, ihren Platz finden. Oder das oben genannte Mandala dekoriert und später aufgegessen werden. Finde ganz frei deinen Umgang damit. 



Assoziationen
Balance, Dankbarkeit, Erfüllung, Ernte, Vervollständigung, Zielerreichung, Abschneiden, Umwandlung, Blau, Gold, Met, Wein

An dieser Stelle sei all denen, die sich für druidische Inspirationen zu den Hohen Festen und einen fundierteren Hintergrund interessieren, der 3-jährige Kurs des OBOD (Order of Bards, Ovates and Druids) unter der Leitung von Philip Carr-Gomm empfohlen, der dieses Ritual stark inspiriert hat. Nähere Infos unter: www.druidry.org oder www.druiden.info