Freitag, 18. Oktober 2013

Vertrauen stärken & Sinne wecken

Nicht allen Menschen fällt es leicht, sich vertrauensvoll hinzugeben oder der Führung eines anderen zu überlassen... sowohl im alltäglichen Leben als auch in Bezug auf das, was man das Große Geheimnis, eine höhere Macht oder Gott nennt. Vielleicht wurde das Vertrauen schon zu viele Male erschüttert und es ist kaum mehr möglich, selbst in kleinsten Teilbereichen, die Kontrolle abzugeben?

Um sich nach und nach wieder darauf einlassen zu können, geführt zu werden, gibt es eine ebenso simple wie großartige Übung:

Sich mit verbundenen Augen vorsichtig führen lassen.

Der Mensch, der in dieser Übung die Führung übernimmt, sollte sehr achtsam mit dem "Blinden" umgehen und gut auf alle Unwegbarkeiten (Treppenstufen, Wurzelwerk, Kurven, ...) achten und stets Sicherheit vermitteln, damit ein Loslassen der Kontrolle auch wirklich möglich werden kann.
Diese Übung lässt sich intensivieren, indem man zuerst regelrecht untergehakt und geführt wird und nach und nach vielleicht lediglich eine Hand auf einer Schulter und somit nur noch sanfte Führung verspürt - oder sich gar nur noch einer nahen Stimme anvertraut. 

Am einfachsten und sinnlichsten ist dies in der freien Natur erfahrbar. Hier stehen keine kantigen Möbel herum und die Luft ist erfüllt von verschiedensten Düften, Geräuschen, Wind und Wetter.

Was nun so banal klingen mag, wird in der Praxis vielfach eingesetzt, um Vertrauen neu zu lernen oder zu stärken - gerade Partnerschaften und ganze Familien können davon profitieren. Wir erfahren sehr viel über uns! 
War es leichter der fühlbaren Führung und körperlichen Unterstützung zu folgen oder den Geräuschen/Stimmen? 
Welche Sinne wurden geweckt? Wurden die Gerüche intensiver?
Der Austausch über die jeweiligen Erfahrungen intensiviert die Verbindung zu- und miteinander ebenfalls.

In der Grundausbildung einer Schauspielschule werden die Schüler in Paaren mitten in die Stadt oder einen nahen Park geschickt, um genau diese Übung wieder und wieder zu praktizieren. Sie lernen dadurch eine erhöhte Warnehmung für die Umwelt mit all ihren Geräuschen und Gerüchen, ein besseres Gespür für Raum, Entfernungen und andere Menschen zu entwickeln und einem potenziellen Spielpartner zu vertrauen, was besonders in Improvisationsübungen zum Tragen kommt. Das erste und wichtigste Instrument oder Arbeitsmaterial eines Schauspielers ist sein eigener Körper und alles dreht sich darum, diesen so auszubilden, dass ein hingebungsvolles Agieren und Reagieren möglich wird.
Zu wissen, welche Sinne individuell am stärksten wahrnehmbar sind, hilft bereits Kindern, sich im Leben einfacher zurecht zu finden, passende Lernmethoden zu entwickeln und eine erhöhte Wahrnehmung für den eigenen Körper und die Umgebung zu entwickeln, der man vertrauen kann. Diese Übung lohnt sich - auch wenn wir nun keine Schauspieler werden wollen und egal wie alt wir sind.




Die äußeren Augen schließen - um die inneren Augen zu öffnen.

Wir leben in einer sehr visuell geprägten Welt. Es strömen so viele Einflüsse von außen auf uns ein, dass es immer schwieriger wird, auf eine einzelne Sache fokussiert oder ganz bei sich zu bleiben. Bei all den virtuellen, elektronischen Spielen und Einflüssen ist es wichtig, auch die naturgegebenen Fähigkeiten unserer Sinne lebendig zu erhalten. Unsere Instinkte und unsere Intuition werden es uns danken :-)